Die Pyramide hat als Management-Modell ausgedient

In vielen Organisationen knirscht es, und manche merken das früh, andere erst dann, wenn es kaum mehr zu übersehen ist. Ob Konzern oder KMU: Kaum eine Organisation bleibt von Innovationsdruck, Fachkräftemangel und wachsender Komplexität verschont.
Gleichzeitig stellen sich immer mehr Menschen die Sinnfrage, und das prägt Kaufentscheidungen genauso wie die Wahl des Arbeitgebers.
Das klassische Management-Modell «Pyramide» stösst dabei zunehmend an seine Grenzen. Was 2019 schon galt, gilt heute mit noch mehr Nachdruck.
Die Pyramide war mal gut
Historisch betrachtet war die Pyramide ein Erfolgsmodell der Industrialisierung: Sie schuf Ordnung, steigerte Effizienz und legte den Grundstein für unseren heutigen Wohlstand. Hierarchie definierte, wie kommuniziert wird, wo Entscheidungen fallen und welche Wege einzuhalten sind. Direkte Zusammenarbeit zwischen den «Silos» war nicht vorgesehen, ein Prinzip, das in Militär, Kirche, Behörden und Produktionsbetrieben bis heute Bestand hat.
Die Welt änderte sich. Mit Projekten und Matrixstrukturen wurden Linien durchkreuzt, und in den 1970er-Jahren war die Matrix eine notwendige Weiterentwicklung: mehr Flexibilität, ohne die Grundlogik der Pyramide aufzugeben.
Wir beide haben viele Jahre in solchen Strukturen gearbeitet, bei Commerzbank, Credit Suisse, UBS, Swiss Re und anderen Finanzriesen. Wir wissen, wie belastend diese Systeme sein können: irrwitzige Zielvorgaben, Machtkämpfe, Outsourcing-Wellen, Stellenabbau, und parallel dazu Bonus-Exzesse und Shareholder-Value um jeden Preis. Das Ergebnis war ein Umfeld, das für viele Menschen kaum mehr erträglich ist. Angst wird subtil, aber ständig spürbar. Effektives Arbeiten ist oft nur möglich, indem Regeln umgangen werden, und die eigentliche Arbeit geschieht hinter den Kulissen, auf dem «kleinen Dienstweg».
Was sich verändert hat
Heute ist unsere Welt schneller, globaler, digitaler. Das alte Motto «Oben wird gedacht, unten gemacht» passt nicht mehr, weil Organisationen laufend Marktimpulse aufnehmen und schnell reagieren müssen. Das funktioniert dezentral, dort wo die Signale entstehen: an der Basis. Damit Entscheidungen dort getroffen werden können, braucht es klare Entscheidungskompetenzen, Transparenz im Inneren und Klarheit über Strategie und Richtung. Genau das fehlt in klassischen Pyramiden: Macht wird nach unten delegiert, Verantwortung bleibt oben.
Das Zauberwort heisst «Eskalation»
Früher regelten dicke Handbücher, wer wozu befugt war. Heute lautet die Standardlösung «Eskalation». Unklare Kompetenzen, Unsicherheit und Angst führen dazu, dass Themen nach oben geschoben werden. Entscheidungen treffen dann wenige Menschen, weit weg vom Markt, und Informationen kommen geschönt oder vereinfacht an. Viele Entscheide wirken abgehoben und lösen Widerstand aus, den Change-Management dann abzufedern versucht.
Peter Kruse hat das einmal so zugespitzt:
«Die Umsetzungsgeschwindigkeit in Unternehmen verhält sich umgekehrt proportional zur Entscheidungsgeschwindigkeit.»
In der Praxis: Entscheidungen dauern ewig, werden auf den letzten Drücker gefällt und dann oft nur halbherzig umgesetzt.
KI macht das Problem sichtbarer
Seit 2019 ist ein weiterer Faktor dazugekommen: Künstliche Intelligenz. Viele Organisationen führen KI-Tools ein und erwarten schnelle Ergebnisse, übersehen dabei aber, dass KI bestehende Muster verstärkt. In Organisationen mit klaren Rollen und Verantwortlichkeiten wird KI tatsächlich zum Hebel. In Organisationen mit Eskalationskultur und unklaren Kompetenzen wird Unklarheit durch KI schneller sichtbar und teurer. Die Frage, wer Verantwortung trägt für das, was KI tut und entscheidet, gehört ins Führungsgespräch, und damit direkt in die Frage, wie eine Organisation grundsätzlich aufgestellt ist.
Zeit für Alternativen
Andere Wege existieren, und der erste Schritt muss keine vollständige Transformation sein. Eine Möglichkeit ist die Kollegiale Führung, ein Modell, das Verantwortung auf viele Schultern verteilt, Entscheidungsfähigkeit stärkt und Orientierung in komplexen Umfeldern bietet. Wer dort noch nicht steht, kann über die Transformationsbrücke beginnen: ein konkreter Einstieg, auch innerhalb bestehender Strukturen. Mit dem Kurs «Ermächtigtes Team starten» begleiten wir Führungskräfte dabei, ihr Team Schritt für Schritt in mehr Eigenverantwortung zu führen, ohne die Organisation auf den Kopf zu stellen. Der Weg beginnt mit einem ehrlichen Blick auf das eigene Team.
Einen ausführlichen Überblick über mögliche Alternativen findest du in Was sind die Alternativen zum Management-Modell «Pyramide»?.
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