New Work führt immer über die persönliche Transformation

Was bedeutet «Neue Arbeitswelt»?
Auf diese Frage kommen meistens sehr unterschiedliche Antworten zurück. Unternehmen verbinden damit häufig den Anspruch, agiler und adaptiver zu werden. Denn der Markt drückt: Organisationen wollen schneller auf Veränderungen reagieren, dem vermeintlichen Fachkräftemangel entgegenwirken oder mehr Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit in die Welt bringen.
Deshalb beginnen sie mit einer Transformation: Werkzeuge, Prozesse und Strukturen werden angepasst. Bekannte Werkzeuge dafür sind Scrum, SAFe, Kaizen, Design Thinking oder auch Holokratie. Wir nutzen für die Agile Organisationsentwicklung vor allem Kollegiale Führung.
Und heute kommt KI als weiterer Hebel dazu. Auch hier beobachten wir es immer wieder: Projekte starten mit Werkzeugen, Daten und Agenten. Die Frage, wer Verantwortung trägt und wie die Zusammenarbeit verändert werden muss, kommt oft zu spät. Deshalb gilt für KI dasselbe wie für jede Systemveränderung: Sie ist eine Organisationsfrage, bevor sie eine Technologiefrage ist.
Nur: Die besten Werkzeuge nutzen nichts, wenn sie rein mechanisch angewandt werden. So verpufft die Wirksamkeit. Agile Prozesse und Methoden zeigen das eindrücklich. Sie sind einfach zu verstehen und oft schwierig in der Anwendung.
Bevor Unternehmen New Work leben können, braucht es oft erst Good Work: die Grundlagen, auf denen New Work überhaupt aufbauen kann.
Transformation ist mehr als eine Systemveränderung
Uns ist kein einziges Beispiel einer tiefgreifenden Transformation bekannt, die durch reine Systemveränderung entstanden wäre.
Viele Unternehmen erliegen dabei dem Reiz:
Verändert das System, und die Menschen laufen mit.
Die Grundthese stimmt teilweise. Verändert sich das System, passen sich die Menschen an. Wobei das nur funktioniert, wenn die dafür notwendigen Voraussetzungen gegeben sind. Dazu lohnt es sich, das Zusammenspiel von Mensch und System besser zu verstehen.
Mensch und System = soziales System
Werkzeuge, Prozesse und Strukturen werden durch Menschen definiert und legitimiert. In der Praxis entsteht daraus ein soziales System, dessen Verhalten und Werte wir als Unternehmenskultur bezeichnen. Wenn eine reine Systemveränderung nicht wirkt, gehört der Mensch in die Überlegungen dazu.
Diese Zusammenhänge haben wir mit dem me&me Modell beschrieben und mittlerweile auch KI integriert.
Die neue Arbeitswelt fordert uns alle
Ein Satz aus dem agilen Manifest trifft auch 2026 zu: «Individuen und Interaktionen schätzen wir mehr als Prozesse und Werkzeuge». Die Interaktion zwischen Menschen hat Vorrang vor Prozessen und Werkzeugen. Hierfür ist emotionale und soziale Intelligenz die Kompetenz schlechthin. Konkret geht es um den Umgang mit eigenen Spannungen und Konflikten. Denn schnell stellen sich Fragen wie:
- Kann ich mit Andersartigkeit umgehen?
- Kann ich mit dem Spannungsfeld «Führen und Folgen» umgehen?
- Kann ich Entscheidungen treffen und mittragen, die mir weniger gefallen?
- Und wie oft verbinde ich meine persönlichen Ziele mit dem Zweck der Firma?
Die innere Transformation ist entscheidend
Warum fällt es uns so schwer, uns selbst zu verändern, um neue Systeme wirksam zu leben?
Die Neurowissenschaft hat in den letzten Jahren vieles über die Funktionsweise unseres Gehirns gezeigt. Der grösste Teil unseres Denkens läuft automatisch ab, gesteuert von Prägungen, Erfahrungen und Gewohnheiten. Manche Neuroforscher sprechen von bis zu 95 Prozent. Damit laufen wir mehrheitlich im Autopilot-Modus unserer Vergangenheit.
Mit den übrigen 5 Prozent unseres freien Bewusstseins träumen wir dann von einer wunderbaren neuen Arbeitswelt, in der plötzlich alles anders ist. Eine schöne Idee, die im Alltag nicht funktioniert.
Denn die alten Muster arbeiten weiter, auch wenn das System um uns herum neu ist. Wir müssen also Teile davon nachhaltig verändern. Dies wird möglich, wenn unser Wunsch so stark wird (intrinsische Intention), dass wir den Weg in die neue Arbeitswelt wirklich gehen wollen. Dann wird es frei für eine tiefgreifende Transformation.
Ideen für die persönliche Transformation
- Wissen hilft: Wer die Arbeitsweise des Gehirns kennt, versteht besser, wie wir mit neuen Situationen im Rahmen von New Work umgehen.
- Bei mir selbst beginnen: Gerade als Unternehmenslenker sollte ich mich zuerst auf meine eigene Transformation fokussieren, um mein Unternehmen in und durch die Transformation führen zu können. Psychologische Sicherheit beginnt ebenso bei mir selbst.
- Bewusstheit steigern: Den eigenen Autopiloten des Gehirns bei der Arbeit zu beobachten, ist der erste Schritt der eigenen Veränderung. Einige Möglichkeiten sind MBSR, Autogenes Training, Meditation.
- Ausdauer ist gefragt: Jahrzehntelang antrainierte Prägungen verschwinden nicht innerhalb weniger Tage.
- Ablenkung reduzieren: Dauernd neue Trends in der Arbeitswelt können verunsichern. Die eine Lösung gibt es nicht. Es gilt, individuelle Möglichkeiten zu entdecken.
- Klare Ausrichtung erarbeiten: Spätestens, wenn es im Alltag schwierig wird, ist eine starke Ausrichtung (persönliche Vision) gefragt.
Seit 2017 begleiten wir Menschen und Unternehmen in transformativen Veränderungsprozessen. Unsere tiefgreifenden Transformationsbegleitungen haben uns deutlich vor Augen geführt: Es fordert alles (System) und jeden (Menschen). Verändert sich das System, fordert dies auch eine Weiterentwicklung des Menschen.
Heute unterstützen wir KMU auf ihrem Weg zu effektiverer Selbstorganisation mit Standortbestimmung, Workshops und persönlicher Begleitung, ergänzt durch unsere Lernplattform. Wie aus dieser Begleitung ermächtigte Teams werden, die Transformation tragen, haben wir kürzlich beschrieben.
Unsere Überzeugung
Eine neue Arbeitswelt braucht die persönliche, innere Transformation. Das wird die Wirtschaftswelt verändern, und es geht weiter: die gesamte Gesellschaft. Mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen unserer komplexen Welt wird das immer dringender.
In diesem Sinne: packen wir es also an.
Wenn du beim Lesen an dein Unternehmen gedacht hast: Wo steht ihr gerade, beim System oder schon beim Menschen? Erzähl uns davon, gern persönlich. Ein ehrlicher Einstieg ist die Standortbestimmung. Sie zeigt, wo Verantwortung heute liegt und wo sie wachsen will.
Bereit fuer den nächsten Schritt?
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